Giftige Pflanzen für Hühner: Was nicht in den Garten darf

Hühner haben den Ruf, wandelnde Mülleimer mit Federn zu sein, die alles picken, was nicht schnell genug wegläuft. Stimmt auch größtenteils, das Federvieh hat über Jahrtausende ein ganz brauchbares Gespür dafür entwickelt, was genießbar ist und was nicht. Trotzdem ist ein Huhn kein Toxikologe mit Doktortitel, und aus Langeweile, Neugier oder schlichtem Futterneid picken sie manchmal auch Dinge an, die ihnen ziemlich schlecht bekommen. Zeit, sich den Garten mal mit Hühneraugen anzuschauen, bevor die Sache im Drama endet.

Pflanzen im Gartenbeet
Hübsch anzusehen, für die Hühnerabteilung trotzdem gesperrtes Gebiet.

Kluges Huhn, dummer Zufall

Instinkt hin oder her, ein hungriges, gelangweiltes oder einfach nur besonders experimentierfreudiges Huhn probiert auch mal Dinge, die es eigentlich meiden sollte. Küken sind dabei besonders gefährdet, weil ihnen die Erfahrung noch fehlt, und auch ausgewachsene Tiere greifen manchmal beherzt zu, wenn sonst nichts Interessantes im Auslauf zu finden ist. Ein Garten voller schöner Zierpflanzen ist für ein Huhn erst mal einfach nur ein Garten voller grünem Zeug zum Anknabbern, nicht ein liebevoll kuratiertes Beet mit Verbotsschildern. Würde man einem Huhn ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht, giftig“ hinstellen, würde es das Schild anpicken und dann trotzdem die Pflanze dahinter.

Die Verdächtigenliste: Was im Hühnerauslauf nichts verloren hat

Die folgenden Pflanzen gelten als giftig für Hühner und sollten entweder gar nicht erst im erreichbaren Bereich des Geheges wachsen oder zuverlässig eingezäunt werden.

  • Avocado: Schale, Kern und Blätter enthalten Persin, das bei Vögeln schon in kleinen Mengen zu Herzschäden führen kann. Das Fruchtfleisch ist umstritten, im Zweifel gilt: komplette Finger weg.
  • Nachtschattengewächse: Grüne Kartoffelteile (Triebe, grüne Stellen, Schalen) sowie Blätter und Stängel von Tomatenpflanzen enthalten Solanin und sind giftig.
  • Engelstrompete (Brugmansia): Enthält Tropanalkaloide, hochgiftig für nahezu alle Haustiere, auch für Hühner.
  • Fingerhut (Digitalis): Enthält herzwirksame Glykoside, die schon in geringer Menge gefährlich werden können.
  • Oleander: Eine der giftigsten Zierpflanzen überhaupt, ebenfalls wegen herzwirksamer Glykoside, für Hühner absolut tabu.
  • Eibe: Nadeln und Samen zählen zu den giftigsten Pflanzenteilen im heimischen Garten, für viele Tierarten potenziell tödlich.
  • Buchsbaum: Enthält Alkaloide, die Verdauungs- und Nervensystem angreifen können.
  • Rhabarberblätter: Enthalten Oxalsäure in hoher Konzentration, die Stängel gelten dagegen meist als unproblematisch.
  • Rohe Bohnen: Enthalten das Lektin Phasin, das erst durch gründliches Kochen zerstört wird, roh oder getrocknet sind Bohnen daher ungeeignet.

Woran erkennt man eine Vergiftung?

Die Symptome sind je nach Pflanze unterschiedlich, häufig zeigen sich aber Anzeichen wie Teilnahmslosigkeit, Durchfall, Erbrechen beziehungsweise Würgen, Atembeschwerden, Zittern oder ein aufgeplustertes, apathisches Herumsitzen abseits der Gruppe. Ein Huhn, das plötzlich gar nicht mehr wie es selbst wirkt, ist immer ein Alarmsignal, egal ob eine verdächtige Pflanze im Spiel war oder nicht.

Henne am Gartenzaun
Von hier aus sieht die Welt harmlos aus. Ist sie aber nicht immer.

Ernstfall: Was jetzt zu tun ist

Besteht der Verdacht, dass ein Huhn eine giftige Pflanze gefressen hat, zählt vor allem eines: keine Zeit verlieren. Am besten sofort einen tierärztlichen Notdienst kontaktieren und wenn möglich die vermutete Pflanze mitbringen oder zumindest benennen können, das erleichtert die Behandlung enorm. Eigenmächtige Hausmittel oder das Abwarten nach dem Motto „wird schon wieder“ sind hier keine gute Idee, lieber einmal zu viel angerufen als einmal zu spät. Der Tierarzt hat schon Komischeres gehört als „mein Huhn hat den Oleander angeknabbert“, versprochen.

Gartenplanung statt Kahlschlag

Die gute Nachricht: Niemand muss deswegen den ganzen Garten roden. In den meisten Fällen reicht es, giftige Pflanzen konsequent außerhalb der Reichweite des Hühnerauslaufs zu halten, etwa durch einen stabilen Zaun ums Beet oder erhöhte Pflanzkübel. Wer neu plant, kann direkt auf hühnersichere Stauden setzen und die empfindlicheren Exemplare in einen abgetrennten Ziergarten verbannen, in den nur die Zweibeiner mit Gartenschere Zutritt haben.

  • Giftige Pflanzen einzäunen statt entfernen, wo möglich
  • Beete in Hochbeeten oder Kübeln außer Reichweite bringen
  • Neue Pflanzen vor dem Kauf kurz auf Hühnerverträglichkeit prüfen
  • Bei Verdacht auf Vergiftung sofort den Tierarzt kontaktieren

Fazit

Hühner sind neugierige, meist erstaunlich clevere Tiere, aber eben keine Chemiker. Ein bisschen Weitsicht bei der Gartenplanung, ein Zaun um die kritischen Ecken und ein wachsames Auge auf ungewöhnliches Verhalten reichen völlig aus, damit Garten und Hühnerglück problemlos nebeneinander bestehen können.